| Quelle | Stadt Kolbermoor |
Vortrag: Drei große bayerische Schriftstellerinnen
Rathaus Kolbermoor
Die Veranstaltung
O124Drei große bayerische Schriftstellerinnen:
höchst bemerkenswert und doch ganz unterschiedlich.Franziska Gräfin zu Reventlow (1871 - 1918)Geboren als Tochter des Landrats Ludwig Graf zu Reventlow und seiner Frau Gräfin Emilie in Husum, 1893 als rebellische Tochter nach München gezogen und bald Mittelpunkt der Schwabinger Boheme. 1897 kam ihr Sohn Ralf zur Welt, dessen Vater sie aber nie bekannt gab. Genau genommen litt sie immer unter Geldnot und dem drastischen Gefühl der Einsamkeit, auch wenn sie sich das permanent einredete. Lebte sie genau genommen in einer "Scheinwelt"? Sie war 1910 auf Anraten ihres Freundes Erich Mühsam nach Ascona gezogen, bald kam es enormen Geldproblemen, als die Bank mit ihrem Konto bankrott anmelden musste: Darüber entstand ihr Roman "Der Geldkomplex". Am Bekanntesten aber sind ihre Romane "Von Paul zu Pedro" und "Herrn Dames Aufzeichnungen". Im Juni 1918 stürzte sie bei der Abfahrt von ihrem Haus mit dem Fahrrad und verletzte sich so schwer, dass sie am nächsten Tag in Locarno an Herzversagen starb.
Sie war eine höchst eigenartige Frau, geprägt von Lebensgier und auch Lebensmut. Ein "Kind ihrer Zeit"? Das ganz sicher auch.Lena Christ (1881 - 1920)In Glonn bei München geboren, als uneheliches Kind ihrer lieblosen Mutter ausgesetzt, was sie schon früh zu einem Selbstmordversuch führte. Der Brutalität ihres ersten Ehemanns stand sie ratlos gegenüber, sie musste von öffentlicher Unterstützung leben und heiratete dann in zweiter Ehe den Schriftsteller Peter Bendix, der sie zur Schriftstellerin animierte. Mit Werken wie "Erinnerungen einer Überflüssigen" oder "Die Rumplhanni" wurde sie über Bayern hinaus bekannt, mittlerweile sind auch ihre "Lausdirndlgeschichten" sehr gefragt, die nicht nur vom Titel her an ihr literarisches Vorbild Ludwig Thoma erinnern. Ihr schwieriges Leben hatte massive Spuren in ihr hinterlassen, die sie auch als durchaus erfolgreiche und anerkannte Schriftstellerin nicht überwinden konnte:
Sie hatte in der Tat Ludwig Thoma von ihrem geplanten Selbstmord brieflich in Kenntnis gesetzt, nach einer dubiosen Affäre um Bildfälschungen brachte sie sich Ende Juni 1920 in München um, rund 14 Monate vor dem Tod Ludwig Thomas.
Sie war ganz anders geprägt als die weltoffene Fanny von Reventlow, sie gilt als typische "Volksschriftstellerin", geprägt von ihrer oberbayerischen Natur.Luise Rinser (1911 - 2002)Sie ist die Älteste dieser drei bayerischen Autorinnen, auch die Erfolgreichste, die ein enormes Werk hinterlassen hat. Nach wie vor zählt sie als eine der bedeutendsten und meistgelesenen deutschsprachigen Schriftstellerinnen. Und sie hat in der Tat ein turbulentes Leben geführt, geprägt von der Zeit des Nationalsozialismus und dann von der demokratischen Bundesrepublik. Sie widmete sich in ihren Romanen auch bedeutenden historischen Persönlichkeiten wie Abaelard oder Franz von Assisi ("Bruder Feuer"), es gibt auch ihr "Nordkoreanisches Tagebuch", bereits 1940 war ihr erster Roman "Die gläsernen Ringe" erschienen. Es folgten vier Jahre später ihre Verhaftung und ihr Aufenthalt im Frauengefängnis von Traunstein, ihr "Gefängnistagebuch" über diese Zeit dürfte ihr nach wie vor meistgelesenes Buch sein. Geboren in Pitzling in Oberbayern als einzige Tochter ihrer streng katholischen Eltern lebte sie bis Ende der 90er Jahre als freie Schriftstellerin in Rocca di Papa bei Rom, ehe sie ihren Lebensschwerpunkt nach München verlegte, wo sie am 17.03.2002 in Unterhaching starb.
Luise Rinser hatte gerne polarisiert, sie engagierte sich in der Friedensbewegung und kandidierte für die Grünen als Bundespräsidentin, natürlich vergebens. Ihre Nähe zum kommunistischen Regime in Nordkorea hatte zu zahlreichen Angriffen auf sie geführt, worauf sie sich schließlich wieder verstärkt religiösen Themen zugewandt hatte.Referent: Willi Schwenkmeier
Teil der Reihe "Montag um 3"
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