| Veranstalter | Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg e.V. | Literaturhaus Oberpfalz, Sulzbach-Rosenberg |
| Veranstalter-Adresse | Rosenberger Straße 9, 92237 Sulzbach-Rosenberg, Deutschland |
| Quelle | Stadt Sulzbach-Rosenberg |
"Provinz ist eine Möglichkeit" (Walter Höllerer), (2): "Weggehen und Wiederkommen": Lesung und Gespräch mit Johannes Laubmeier und
CAPITOL - BIld & Bühne
Die Veranstaltung
Walter Höllerer empfahl unter dem Motto „Provinz ist eine Möglichkeit“ in den 1970er Jahren den Blickwechsel von den Metropolen in die Provinz, er plädierte für einen modernen Heimatbegriff ohne Heimattümelei und rief dazu auf, die Impulse zu entdecken, die von der Provinz ausgehen können. Er schrieb über Regionalität, davon dass Regionen wie seine Heimatregion, die Oberpfalz, ihre Bedürfnisse entdecken und gegenüber den „Zentralen“ selbstbewusst formulieren sollten. Die Gründung des Literaturarchivs in Sulzbach-Rosenberg im Jahr 1977 war für Höllerer ein Schritt in diese Richtung, ein Zeichen nach dem Motto „Provinz ist, was Du daraus machst“, wie er es ein paar Jahre später in einer seiner öffentlichen Rede „Vom Mittelpunkt am Rand“ formulierte. Der Region und dem „ländlichen Raum“ wird in letzter Zeit wieder mehr Aufmerksamkeit zuteil und Höllerers Überlegungen sind es wert, zu Beginn des 21. Jahrhunderts neu diskutiert zu werden. Wir wollen das anlässlich des 100. Geburtstags von Walter Höllerer mit zwei Veranstaltungen tun und ausloten, welche Rolle das Thema für die aktuelle Literatur spielt. Dazu haben wir Judith Hermann, Christoph Peters und Johannes Laubmeier eingeladen.
Die Veranstaltungen werden gefördert im Rahmen von „Neustart Kultur“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien durch den Deutschen Literaturfonds e.V.
"Weggehen und Wiederkommen"
In die Niederbayerische und die Niederrheinische Provinz kehren die Ich-Erzähler der Romane von Johannes Laubmeier und Christoph Peters zurück.
In „Dorfroman“ (2020) erzählt Christoph Peters davon, wie in den 1970er Jahren der geplante Bau des Atomkraftwerks „Schneller Brüter“ In Kalkar am Niederrhein die Gemeinschaft eines nahegelegenen Dorfes zu spalten droht. Die Ereignisse prägen und politisieren den Ich-Erzähler, der nach dreißig Jahren zurückkehrt und sich an seine Jugendzeit erinnert. Christoph Peters ist 1966 in Kalkar geboren, studierte an der Kunstakademie in Mainz, bevor er sich als Schriftsteller in Berlin niederließ, wo er seit dem Jahr 2000 lebt. Er ist Autor zahlreicher Romane, aktuell erschien „Der Sandkasten“, ein Roman, der in der Endphase der Merkel-Ära spielt.
In Johannes Laubmeiers Debütroman „Das Marterl“ (2022) ist es die niederbayerische Provinz, wo der inzwischen erwachsene Ich-Erzähler in den 1990er Jahren aufwuchs und wohin er zurückkehrt, um den Unfalltod seines Vaters zu verarbeiten. Die Kleinstadt erscheint ihm, als wolle sie mit Folklore, Starkbierfesten und Denkmälern bedeutsamer Männer die Zeit anhalten. Kann eine Heimkehr gelingen, die Reise in die Vergangenheit heilsam sein?
Johannes Laubmeier wurde 1987 in Regensburg geboren und wuchs in Niederbayern auf. Er studierte Journalistik in Eichstätt und Sozialanthropologie in Cambridge. Er arbeitet als Schriftsteller, Reporter und Übersetzer in Berlin.
Die Moderation des Abends übernimmt Dieter Heß, langjähriger Leiter der Redaktion Kulturkritik und Literatur beim Bayerischen Rundfunk.
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