| Quelle | Stadt Kempten - Kulturamt |
Bewegter Donnerstag "Nationalsozialistisch motivierte Selbstmorde in Kempten 1945“
Kempten-Museum im Zumsteinhaus
2021
Die Veranstaltung
Vortrag von Dr. Gerhard Hölzle und Prof. Andreas Conca zu „Nationalsozialistisch motivierte Selbstmorde in Kempten 1945“ in Kooperation mit dem Heimatverein Kempten e.V.Kempten, Ende April 1945: Amerikanisches Militär befreit die Stadt vom Krieg. Manche in den Nationalsozialismus (NS) Verstrickte begehen in diesen Tagen, aber auch noch Monate später Selbstmord. Nicht selten kommt es zu erweiterten Selbstmorden, ausgelöst durch den Untergang des Deutschen Reichs bzw. des NS. Für die Einzelperson begründet sich der Selbstmord
- in der Angst vor Bestrafung,
- in der Verzweiflung angesichts des Versagens, dem NS erlegen zu sein, und
- in der Weigerung, das Leben ohne NS fortzusetzen.
In jedem Fall ist die persönliche Verstrickung im NS-Netz auf dem Hintergrund der außergewöhnlichen politischen und gesellschaftlichen Gesamtsituation von Frühjahr bis Herbst 1945 ausschlaggebend für den vermeintlichen Ausweg Selbstmord.Die kriminalpolizeilichen Protokolle, das Sterbebuch und die Friedhofsliste gaben dem Historiker Dr. Gerhard Hölzle (München) über die NS-Selbstmordfälle Auskunft. Prof. Andreas Conca (Bozen) erläutert das Phänomen Selbstmord aus psychiatrischer Sicht. Sechs Selbstmörder (ein SS-Mann, drei Beamte, ein Kaufmann, ein Arzt) werden vorgestellt – kleine Leute, deren Bürgerleben ohne NS höchstwahrscheinlich einen ganz normalen, unscheinbaren Verlauf genommen hätte.
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